Wir helfen klassischen Organisationen, agiler zu werden!

Live! von der ReConf 2013

Live von  der ReConf 201312. März 2013 – Gestern noch im Anforderungserfassungs-Workshop beim Kunden, heute zur ReConf 2013 nach München geeilt. Aha, das Hotel kenne ich doch. Hier fand auch die ScrumMed 2012 statt. Die Keynote von Gunter Dueck verpasse ich gerade. Aber: Herr Dueck war trotzdem mein heutiges Highlight. Wie das geht? Mehr dazu gleich…

Mich beschäftigt heute eine konkretere Frage: Ist die agile Projektvorbereitung in der klassischen Anforderungswelt angekommen? Wir werden sehen. Ich freue mich auf Streitgespräche mit den Referenten und Teilnehmern.

Anforderungserfasser = Psychotherapeut?

Aber zunächst einen Ausflug: Ist der Anforderungsmanager gleichzeitig Psychotherapeut? Das hat was von Shizophrenie. Darüber referiert Ralf Bongard. Ich weiß nicht, ob sich die Kunden gerne in der Rolle „Person auf der Couch“ sehen. Herr Bongard adressiert allerdings ein wichtiges Thema: Anforderungsmanagement ist mehr als das Erfassen und Dokumentieren von Anforderungen. Es geht hauptsächlich um Kommunikation. Kernaussagen:

  • Der Kunde ist nicht dann zufrieden, wenn die Spezifikation erfüllt ist, sondern seine Bedürfnisse. Dies erläutert der Referent anhand des Kano-Modells. Sehr gut.
  • Freie Assoziation mit Befragung, Brainstorming und Disney-Strategie. Unter den ersten beiden können Sie sich bestimmt was vorstellen. Der Träumer, der Realist und der Kritiker sind Bestandteil dieses Gedankemodells. Wieder shizophren.
  • Nun sind wir bei den Grundlagen von Schulz von Thun angelagt. Die meisten Anforderungsmanager kennen dies wohl bereits.
  • Jetzt wird es endlich konkret: Unvollständige Prozesswörter und Bedingungen. Damit können wir in der Praxis was anfangen. Mehr über Mängel von Anforderungen finden Sie z.B. hier.
  • Fazit:Zufriedenheit des Kunden hängt vom Erfüllungsgrad seiner Anforderungen ab. Unbewusste Bedürfnisse müssen wir berücksichtigen. Dazu brauchen wir Kommunikationstechniken. Stimmt.

KO-Frage aus dem Publikum: Wie kann ich das dem Einkauf „verkaufen“, dass ich deswegen teurer bin, weil ich gut kommuniziere? :-)

Eine weitere gute Meldung aus dem Publikum: was kann ich tun, damit der Kunde das gar nicht mitkriegt, dass er auf der Couch liegt? Nehmen Sie diesen Gedanken in die Mittagspause mit.

Was machen Sie, wenn nicht die Bedürfnisse einer Person, sondern die Interessen der Organisation im Vordergrund stehen? Gute Antwort, Herr Bongard: zwei Personen, zwei Bedürfnisse und evtl. ein Konflikt.

Fast-Zusammenstoß mit Gunter Dueck

Zusammenstoß mit Gunter DueckNun wieder zu Herrn Dueck, mein heutiges Highlight! Herr Dueck macht sich gerade auf den Heimweg, als wir gerade fast zusammen gestoßen sind. Gott sei Dank habe ich ihn bei diesem Fast-Unfall erkannt! Wir hatten einen netten Plausch über alte IBM-Zeiten. Sie sind ein sehr Netter, Herr Dueck!

User Stories – Genug ist genug ist genug

Nächster Vortrag: User Stories – INVEST is not enough. Für klassische Anforderungs-Erfasser eine gute Einführung in das Thema. Der Vortrag kann natürlich in einer Stunde nicht in die volle Tiefe gehen, aber die Kernaussage kommt rüber: User Stories sind ganz einfach – und genau deswegen so schwierig.

Fragen aus dem Publikum: Welche Tools können für User Stories eingesetzt werden :-) Das ist wohl der Klassiker.

Stefan Sturm von der IREB

ireb-stefan-sturm-marco-klemmDarf ich vorstellen? Auch Stefan Sturm, Geschäftsführer der IREB GmbH, Karlsruhe, ist da. Hallo Herr Sturm! Die IREB ist das International Requirements Board und verfolgt das Ziel, international anerkannte Lehrpläne und Prüfungen bereit zu stellen und damit die Standardisierung der Aus- und Weiterbildung im Requirements Engineering zu fördern. Eine Vielzahl von Beteiligten haben ganze Arbeit geleistet, das Ergebnis ist beeindruckend.

Wussten Sie, dass mITblick anerkannter Trainings-Provider der IREB ist? Dazu für Sie demnächst spannende Neuigkeiten! Das wird wirklich spannend!

Mittagspause…

Agilität und Requirements Engineering – Ein Streitgespräch

Rainer Grau und Kim Lauenroth scheuen keine Konflikte und tragen die fachliche Diskussion vor Publikum aus. Agil und Requirements Engineering – passt das zusammen? Auch die Teilnehmer sind in die Diskussion involviert: „Wir machen das genau so, wir setzen Scrum und agil ein. Und wir haben genau das Problem: wir müssen vor dem Projekt sagen können, was es kostet und wie lange es dauern wird.“ Herr Grau erwähnt, dass man dieses Problem durch die passenden Rahmenverträge adressieren kann. Das deckt sich mit meiner Erfahrung: gut-abstrahiert-definierte Ziele ermöglichen den notwendigen Handlungsspielraum, Anforderungsänderungen zuzulassen, und trotzdem das Budget fixieren zu können.

Anmerkung von mir, was nicht in dem Vortrag erwähnt wurde: wichtig ist bei „agilen Verträgen“ die Spielregeln zu definieren.

Impact Mapping – Neues agiles Tool?

Der Vortrag ist nicht so stark. Ich möchte dennoch kurz ein Tool vorstellen, welches wohl die Wenigsten kennen sollten: Impact Mapping. Das ist eine strategische Planungshilfe, die forcieren soll, dass wir nicht einfach „Features“ entwickeln, sondern ein Produkt herstellen, welches „Impact“ hat. Der zweite Teil des Namens leitet sich von „Mindmapping“ ab.

Der Clue ist, das Feature bzw. das „Was“ an den Schluß einer Argumentationskette zu setzen. Stattdessen fragen wir zuerst, warum machen wir das überhaupt, gefolgt von wer und wie macht etwas:

  1. Warum machen wir etwas?
  2. Wer kann uns helfen, das Ziel zu erreichen?
  3. Wie setzen wir es um?
  4. Was können wir machen, damit das Ziel umgesetzt wird?

Na, dann versuchen wir doch mal ein Beispiel:

  1. Warum sollten wir Impact Mapping einsetzen?
    Weil es angeblich hilft, bessere Produkte zu erstellen.
  2. Wer kann uns helfen, Impact Mapping einzusetzen?
    Ein Buch.
  3. Wie hilft uns das Buch, Impact Mapping einzusetzen?
    Indem es Grundlagen vermittelt und Beispiele gibt.
  4. Was können wir tun, um Impact Mapping einzusetzen?
    Wir tun es.

Entscheiden Sie jetzt selbst: war das hilfreich?

Agil bleiben mit vielen Teams

Der Vortrag stellt einen Erfahrungsbericht dar, der zeigen soll, wie man in einem großen Projekt agil bleibt. Zunächste stellen die beiden Referenten die Projektstruktur dar (16 Teams, mehrere Product Owner, Chefarchitekt, etc.). Zwei Punkte möchte ich als Anregung für Sie herausgreifen:

Story Time: Hierbei handelt es sich um ein zusätzliches Scrum-Meeting, in dem der Product Owner zusammen mit dem Entwicklungsteam zukünftige User Stories bespricht. „Zukünftig“ heißt hier User Stories, die erst nach dem aktuellen Sprint in der Pipeline stehen. Der Vorteil davon ist, dass der PO frühzeitig Feedback von den Entwicklern bekommt, um seine Anforderungen und Funktionalität schärfen zu können. Gleichzeitig bekommen die Entwickler einen Überblick, was demnächst ansteht und können dies bereits bei z.B. Architektur- und Design-Entscheidungen besser berücksichtigen.

Features: Grundlage für fast alle agilen Projekte sind User Stories zur Anforderungserfassung. Wenn die Projekte zu groß werden, können User Stories für die Kommunikation zu feingranular sein. Wir benötigen ein Konzept, welches auf übergeordneter Ebene die Kommunikation erleichtert. Die Referenten stellen eine Konzepthierarchie vor: Epics, Features, User Stories und Tasks.

Resümee

So, ein Tag neigt sich dem Ende zu. Die ReConf ist durchaus gelungen.Ich habe viele gute Kollegen und Bekannte wiedergesehen.

Mein Resümee: Die agile Projektabwicklung ist auch in der klassischen Anforderungswelt angekommen! User Stories, Epics, Backlogs werden dort als selbstverständliche Vokabeln verwendet. Was heißt das nun für Requirements Ingenieure und Businessanalysten? Sie sollten sich mit den „neuen“ Konzepten vertraut machen.

Ein Kritikpunkt allerdings bleibt: die Themen reduzieren sich auf einzelne Konzepte, die hauptsächlich aus Scrum bekannt sind. Wirkliche, ganzheitliche Lösungsansätze habe ich nicht gesehen. Das ist noch ein langer Weg, insbesondere für die Projektvorbereitung, die in Scrum viel zu kurz und in klassischen Projekten viel zu detailiert kommt. Hier setzen wir mITblicker an.

Beste Grüße,
Marco Klemm

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